Betreff
Wasserstoff-Modellregion Raum Aachen (Stadt Aachen, StädteRegion Aachen, Kreise Düren, Euskirchen und Heinsberg)
Vorlage
0078/2021
Art
Beschlussvorlage

Beschlussvorschlag:

Der Ausschuss für Umwelt, Klima, Verkehr und Strukturwandel nimmt die Ausführungen zur Kenntnis.

 

Chancen der Energiewende nutzen

Mit dem Green Deal der Europäischen Union, der Nationalen Wasserstoffstrategie Deutschlands und der Wasserstoff Roadmap Nordrhein-Westfalens sind die zentralen Weichen-stellungen für die Nutzung der Wasserstofftechnologie als eine der wichtigsten Säulen der Energiewende vorgenommen worden.

Erklärtes Ziel ist es, die Energiewende erfolgreich umzusetzen, den CO2-Ausstoß der Region schnell und nachhaltig zu reduzieren sowie die Lebensbedingungen der Bevölkerung und die Standortqualität insgesamt zu verbessern, sodass sich für die Region Aachen zwei strategische Handlungsfelder ergeben:

 

Aufbau einer regionalen Wasserstoff-Infrastruktur

Die Nutzung von Wasserstoff in Industrie, Mobilität und Wohnen muss zu wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen sichergestellt werden. Hierzu gehört der Aufbau einer regionalen      Wasserstoff-Infrastruktur und die Produktion von erneuerbaren Energien, weit über das bisher erreichte Maß hinaus. Hiervon profitiert die heimische Wirtschaft und vom Strukturwandel betroffene Arbeitsplätze können gesichert werden.

 

Potenzial der Wasserstoff-Wertschöpfungskette nutzen

Die wirtschaftlichen Chancen der Wasserstofftechnologie basieren maßgeblich auf der anwendungsorientierten Forschung des innovativen Maschinen- und Anlagenbaus. Die Wasserstoff-Wertschöpfungskette, von der Wasserstoff-Produktion mit (möglichst) grünem Strom mittels Elektrolyse, der Speicherung und Verteilung bis hin zur Nutzung und Rückverstromung, bietet erhebliche Chancen für neue Geschäftsmodelle der Industrie und der Wirtschaft im gesamten Rheinischen Revier.

Um als Region von dieser bedeutenden Entwicklung profitieren zu können, muss der Maßstab einer regionalen Wasserstoffstrategie groß gedacht werden. Einzelne Projekte und kommunale Aktivitäten bilden dafür die notwendige Basis. Sie sollen in eine regionale Gesamtstrategie eingebettet werden. In der Region Aachen soll zusätzlich die besondere Lage zwischen den Niederlanden und der Rheinschiene als Standortvorteil genutzt werden. Im IHK-Bezirk Aachen bieten sich hervorragende Ausgangsbedingungen. Der dichte Besatz an energieintensiven Unternehmen, die auf eine zuverlässige und wirtschaftliche Energieversorgung angewiesen sind, unterstreicht zudem die dringende Notwendigkeit für eine regionale Strategie.

Ein bundesweites Alleinstellungsmerkmal unserer Region ist der starke Wissenschafts- und Technologiebezug mit der RWTH Aachen, der FH Aachen, dem Forschungszentrum Jülich, den in Jülich ansässigen DLR-Instituten, den in Aachen und Euskirchen angesiedelten Fraunhofer Instituten sowie dem Brainergy Park, dem Aldenhoven Testing Center (ATC Testzentrums für Mobilität) in Aldenhoven, dem Forschungsflugplatz Aachen-Merzbrück, der Modellfabrik Papier Düren und dem Energiepark in Herzogenrath. Für eine regionale Strategie ist es erforderlich, dass aus den zahlreichen Forschungsprojekten, die sich u. a. mit der Wasserstofftechnologie und weiteren grünen Energieträgern wie klimaneutralen Kraftstoffen befassen, konkrete wirtschaftlich verwertbare Anwendungen, Produkte und Dienstleistungen entstehen. Der Innovationstransfer in die mittelständische Wirtschaft ist in unserer Region traditionell das Fundament des gelingenden Strukturwandels und muss auch in Zukunft prioritär vorangetrieben werden. Die Unterstützung eines Markthochlaufs sowie der Aufbau von H2-Produktionskompetenzen ist daher ein wichtiges Ziel der strategischen Ausrichtung unserer Region.

 

Wasserstoff-Modellregion Raum Aachen

Auf Bundes- und Landesebene werden zukünftig die zentralen Weichenstellungen für Förderpakte getroffen und in vielversprechende Regionen gelenkt. Die Wasserstoffregion Aachen ist zurzeit noch nicht auf dem Schirm wichtiger Entscheidungsträger und Multiplikatoren. Die Hauptverwaltungsbeamten aus dem IHK-Bezirk Aachen haben daher am 17. Februar 2021 die Zielrichtung für ein Projektbüro definiert. Das Projektbüro soll zunächst für ein Jahr tätig werden und die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Positionierung als Wasserstoff-Modellregion schaffen. Die IHK Aachen übernimmt eine koordinierende Funktion und richtet zu diesem Zweck und für diesen Zeitraum ein Projektbüro ein. Hieran beteiligen sich die Projektpartner mit einem finanziellen Beitrag in Höhe von jeweils ca. 26.000,00 €.

 

Die entsprechenden Haushaltsmittel stehen im Haushalt unter dem Abrechnungsobjekt 14030200 (Energie- und Klimaschutzkonzept) zur Verfügung.

 

Zudem wurde im Rahmen des Projektes „H2City - Aufbau von mobilen Reallaboren zur Beschleunigung der Marktdurchdringung von Wasserstoffanwendungen in der MRR“, unter Federführung der Metropolregion Rheinland e.V. (MRR), eine Vorstudie durchgeführt, um die Wasserstoffaktivitäten der im Verein vertretenen Gebietskörperschaften zu erfragen. Der Kreis Heinsberg hat sich an dieser Vorstudie beteiligt.

Im Rahmen des o.g. Projektes sollen mobile Reallabore für Wasserstoffanwendungen vor Ort in den Kommunen der MRR zum Einsatz kommen, in denen die Funktionsfähigkeit wasserstoffbasierter Systeme praxisnah, beispielsweise durch den Einsatz von H2-Bussen und mobilen Betankungsanlagen, aufgezeigt werden soll. Diese Reallabore sollen im Laufe des möglichen Projektzeitraumes von bis zu 4 Jahren in den einzelnen teilnehmenden Kommunen Station machen. Hierfür will die MRR Fördermittel generieren und hat vorab ein mögliches Interesse seiner Mitglieder in Form eines Letter of Intend (LOI) abgefragt. Der Kreis Heinsberg hat entsprechend einen LOI eingereicht. Eine konkrete Teilnahme am Förderprojekt wird bei Vorliegen weiterer Informationen zu einem späteren Zeitpunkt geklärt.

 

In der Sitzung wird Herr Geschäftsführer Schirowski (WFG) zu dem Thema vortragen.